Entwicklung der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie

Die Anfänge der anthroposophischen Heilpädagogik und Sozialtherapie reichen zurück bis zu den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts.

Damals traten junge Menschen mit der Bitte an Rudolf Steiner heran, sie beim Aufbau einer Einrichtung für behinderte Kinder und Jugendliche zu unterstützen. Daraus entwickelte sich das Heil- und Erziehungsinstitut für seelenpflegebedürftige Kinder Lauenstein in Jena. Bereits in seiner Kindheit hatte Steiner durch einen gehörlosen Bruder erste Berührung mit dem Thema Behinderung. In jungen Jahren widmete er sich dann intensiv der Förderung eines Kindes mit Hydrocephalus.

Entwicklungsprobleme von Kindern beschäftigten ihn auch an der ersten Waldorfschule in Stuttgart.

Hier wurde eine ‹Hilfsklasse› eingerichtet, um die Kinder, die dem Unterricht nur schwer folgen konnten, individueller fördern zu können.

Das von der Ärztin Ita Wegman gegründete Klinisch-Therapeutische Institut in Arlesheim/Schweiz nahm neben allgemeinen Patienten auch Kinder mit Behinderung auf. Später fand deren Förderung und Betreuung im Kinderheim Sonnenhof einen Schwerpunkt.

In den ersten Jahren entwickelten sich in rascher Folge weitere heilpädagogische Einrichtungen in Deutschland, der Schweiz, England, Island, Finnland und Holland. Diese anfängliche Entwicklung wurde jedoch durch das Dritte Reich behindert und bedroht. Erst nach dem 2. Weltkrieg gelang eine Ausbreitung im grösseren Umfang. Es entstanden auch Ausbildungsmöglichkeiten für Heilpädagoginnen und Heilpädagogen. In den fünfziger Jahren kamen die ersten Einrichtungen für erwachsene Menschen mit Behinderung hinzu. Die internationale Zusammenarbeit fand ihren Niederschlag in Tagungen, Arbeitskreisen und kooperativen Organen.

Anfang der sechziger Jahre gab es weltweit 111 Einrichtungen für seelenpflegebedürftige Menschen in 12 Ländern.

Die sechziger und siebziger Jahre brachten sowohl eine weitere Ausbreitung als auch die rechtliche und sozialpolitische Sicherung heilpädagogisch und sozialtherapeutisch tätiger Organisationen. In vielen Ländern entstanden Verbände und weitere Ausbildungsstätten.

Eine weitere internationale Ausbreitung erwuchs durch den Fall des Eisernen Vorhangs. Inzwischen gibt es Einrichtungen in fast allen Ländern des früheren Ostblocks.

Die internationale Zusammenarbeit wird koordiniert durch die Konferenz für Heilpädagogik und Sozialtherapie in der Medizinischen Sektion am Goetheanum in Dornach/Schweiz. Sie arbeitet eng mit den nationalen Verbänden und Arbeitsgruppen zusammen.